Witziges Spiel um Tartuffe

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Tartuffe
Modern und witzig
inszeniert: Die
Theaterklasse der
Kunstschule präsentierte
Molières Tartuffe absolut
sehenswert.

Theaterklasse der Offenburger Kunstschule brachte eindrucksvoll Molières Kömödie auf die Bühne. Überzeugend traten die Mitglieder der Theaterklasse in der Kunstschule mit ihrem »Tartuffe« auf. Die stark gekürzte Fassung beeindruckte durch ihren Witz sowie das schauspielerische Können der beteiligte Jugendlichen.

Offenburger Tageblatt vom 7. Dezember 2006

Offenburg. Noch sitzen die Zuschauer im Dunkeln. Die Akteure huschen auf ihre Position. Ein Klicken, Blitzlicht, das Familienfoto ist im Kasten. So stimmte die Jugendtheatergruppe
der Kunstschule ihr Publikum auf Tartuffe ein, die Molière-Komödie um einen frömmelnden Schmarotzer.

Der Hit in der stark gestrafften Fassung waren die beiden Dienstmädchen. Josephine Sommer und Vanessa Feyrer ließen sich den Schneid von ihrem Herrn Orgon nicht abkaufen. Die knallroten Lippen öffneten sich gar oft, um ihm die Meinung zu sagen. Dass sie ihn dabei in kleinen Tippelschritten umschwirrten, machte das Ganze so richtig grotesk.

Kontrastiert wurde diese Keckheit von Deniz Cinar als Orgon: Schon durch seine Größe wirkt er wie der gutmütige Teddybär, dem alle auf der Nase herumtanzen. Da half es auch nicht, dass er seinen Liebling Tartuffe vehement verteidigt. Vor allem der Planung, seine Tochter Mariane mit dem Schmarotzer zu vermählen, widerspricht die ganze Familie.

Frömmler in der Falle

Souad Lembjadi verlieh der Figur Mariane nur den Hauch eines Aufbegehrens und schickte sich in die Rolle einer höheren Tochter. Zeitgemäß ließ sie sich im Fitnessstudio die Nägel maniküren, wo sie eilends aufs Laufband stieg, als ihr eigentlicher Verlobter Valère kam. Anthony Jendrossek plauderte in seiner Rolle munter Französisch, was die Geliebte dann übersetzte. Wie auch Nepumuk Siebert als Damis hätte auch er etwas mutiger, das heißt dramatischer, spielen dürfen.

So zart wie die Gaze-Ärmel ihres Kleides hauchte Lioba Rühaak ihre Worte. Sie gab die wenig eigenständige, aber dennoch raffinierte Frau Elmire. Mit klimpernden Wimpern lockte sie zum guten Schluss den Frömmler in die Falle. Ihre kokette Unschuld kam am besten in der Szene zur Geltung, in der sich ihr Tartuffe unziemlich näherte: Sie rückte nebst Sonnenstuhl immer weiter ab – er aber hinterher.

Den Tartuffe spielte Maximilian Heckmann, der bereits in der letzten Inszenierung in der Hauptrolle zu sehen war. Er verstand es, mit listigem Augenaufschlag und süßem Reden die Geschicke nach seinem Willen zu lenken. Zog alle Register, um den gutgläubigen Orgon glauben zu lassen, dass er alles nur aus Mitleid und Frömmigkeit tue. Seine Facetten zeigte er mit der anderen Seite des Charakters: Er war auch der arrogante Despot, unerbittlich und kaltschnäuzig.

Insgesamt bewies die Aufführung, welches Entwicklungspotenzial Regisseurin Annette Müller in ihren Kursteilnehmern geweckt hat. Auch einen Klassiker verwandelte sie hier in ein modernes unterhaltendes, witziges Stück. Wie sehr die Akteure sich identifizierten, zeigt die Tatsache, dass sie sogar die teilweise historisierenden Kostüme selbst herstellten. Hausfarbe der Familie war Weiß, nur Tartuffe trug schwarz.

Zentrale Badewanne

Kaum Kulisse benötigte die Aufführung übrigens: Gestaffelte, weiße Tafeln begrenzten die Bühne seitlich. Popfarbene Fotos, die auf eine Wand projiziert wurden, zeigten an, wo die Szene spielte. Dazwischen schoben die Akteure mal einen Sessel oder einen Tisch herein, am meisten überzeugte aber die Zinkbadewanne, in der Orgon planschte.

Der Schluss war wie der Beginn: Dunkelheit, das Klicken des Auslösers und der Blitz. Das gleiche Familienfoto – und doch ganz anders.

Weitere Aufführungen sind im März im Salmen geplant.

Von: Bettina Kühne

 

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