Warum wählt ein junger Mensch das Unumkehrbare?

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My only friend, the end
Diese sechs Schauspielerinnen setzen sich den harten Texten zum Thema Selbsttötung eines jungen Menschen aus. Foto: Junge Theaterakademie

Badische Zeitung vom 16. Januar 2015 –

OFFENBURG. Eine Handvoll Jugendliche. Sie hängen rum, testen Grenzen aus. Gehen auf Autodächern spazieren, springen bekifft in den See oder testen den Windsog des vorbeirauschenden Intercity aus. Unstillbares ist da. Vielleicht Sehnsucht, vielleicht Weltschmerz. Dann macht einer von ihnen ernst. Stellt sich dem Intercity entgegen.

Es ist endgültig. Es lässt sich nicht wieder umkehren. „My only friend, the end“ – so lautet eine markante Textzeile aus dem Song „The End“ von den Doors, mäandernde Klänge, soghafter Text, halb meditativ, halb aufbegehrend. „My only friend, the End“ lautet auch der Titel der aktuellen Produktion der Jungen Theaterakademie Offenburg. „Diesmal kein selbst erarbeiteter Text“, sagt Regisseurin Annette Müller. Sie hat das Stück von Martina Clavadetscher vom Theater Luzern übernommen. Dort hat es die Autorin es mit sechs Jugendlichen erarbeitet. Annette Müller: „Vor einiger Zeit wartete ich am Bahnhof auf einen Zug. Erst hieß es 20 Minuten Verspätung, dann 60 Minuten.“ Personenschaden, habe es geheißen – die Umschreibung dafür, dass sich jemand vor den Zug geworfen hat.

Nur wenig später las Annette Müller in einer Theaterzeitschrift den Text dieses Stücks. „Nach einigen E-Mails mit der Autorin stimmte sie zu, dass wir es hier in Offenburg machen dürfen, und sie will auch kommen und es sich ansehen.“

Für die sechsköpfige Truppe der Jungen Theaterakademie ist es harter Stoff. Zuerst habe man das Stück gelesen – aber es sei ein großer Unterschied zwischen Lesen und Spielen. „Wenn man sich in die Rolle hinein begibt, ist es so, als sei es einem selber passiert“, sagt Hanna Füger, eine der Darstellerinnen. Es sei ein herbes Stück, dem stimmen alle Darstellerinnen zu. Weil Dinge an- und ausgesprochen werden – und das in einer direkten Sprache –, die man vielleicht nur denkt.

Christian Kessler, Elektronikklangbastler und Mitarbeiter des Kulturbüros Offenburg, hat den Soundtrack zur Inszenierung geschaffen. Er spielt mit Klangmotiven der Doors, versteckt sie aber. Das Stück habe Wucht, sagt er. Die Körperlichkeit des Ensembles habe ihn gepackt, als er zum ersten Mal bei den Proben dabei war. „Ich kannte die Doors nicht, es ist nicht die Musik, die ich höre“, gesteht Hannah Adam, auch sie eine der Darstellerinnen. „Aber zum Improvisieren war es großartig.“ Erfahrungen mit Verlust haben sie alle mehr oder weniger. „Aber nicht auf diese Weise“, sagen sie.

Für Annette Müller ist das Thema Suizid wichtig, und zugleich gehe das Stück darüber hinaus. Da sei die Lebenswelt hier in Mitteleuropa, wo fast alles möglich ist. Aber was will man aus sich heraus, was kommt nur von außen? Und die Frage nach dem Ende: Warum wählt ein junger Mensch das Unumkehrbare? Die Jugendlichen, die auf der Bühne stehen, sehen nicht allein den Text als Herausforderung. Tiefer sei das, was die Rollen ausdrücken an Angst, Sehnsucht, Wut, Trauer, Frustration. Sarah Lieser, eine aus der Truppe: „Ich bin sicher, dass Offenburg ein solches Stück noch nie gesehen hat.“
Junge Theater Akademie Offenburg: „My only friend, the end“, ein Stück von Martina Clavadetscher. Inszenierung: Annette Müller, Premiere: 3. und 4. Februar, 20 Uhr, Salmen, weitere Aufführungen folgen. Karten und Reservierungen gibt es über das Bürgerbüro Offenburg, 0781 – 82 20 00

Die Junge Theaterakademie Offenburg arbeitet derzeit auf die Premiere des Stücks „My only friend, the End“ am 3. und 4. Februar hin.

von rob

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