Das kalte Herz

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Das kalte Herz
Das Kalte Herz

Offenburger Tageblatt 12.10.2015

Offenburg

Geldregen aus dem Rechner

Bei Trickpix werden Sequenzen für »Das kalte Herz« erstellt: Schwarzwald als Drei-D-Animation

 

Bei der Aufführung »Das kalte Herz« werden viele Stilmittel eingesetzt. Regisseurin Annette Müller setzt auch auf Drei-D-Videosequenzen mit animierten Landschaften und Geldregen. Entwickelt wurden sie bei Trickpix.

Manchmal sind es nur ein paar Sekunden, und vielleicht fallen sie nicht einmal richtig auf – aber in der Theaterproduktion »Das kalte Herz« werden die Videosequenzen wesentlich zur Stimmung beitragen. »Die Drei-D-Sequenzen sind ein Teilaspekt davon«, erklärte Peter Stöhr, fachlicher Leiter der Musikschule, beim Termin in der Kreativwerkstatt von Trickpix.

Beispielsweise, wenn der Holländermichel den Schwarzwald hinab flößt, werden sie eingesetzt. Es sieht aus wie eine grafische Zeichnung, und wird von Musik hintermalt. Genauer: Das Live-Orchester spielt Musik von Gerhard Möhringer-Groß.

»Fast wie früher die Orchester beim Stummfilm«, sagte Stöhr. Die  4,28 Minuten lange Einspielung wird also höchste Konzentration erfordern, damit alles perfekt passt. Schließlich flimmert der Film als Hintergrund auf einer vier Meter hohen Wand.

»Das Theater kann gut technische Elemente vertragen«, sagte Regisseurin Annette Müller. Bereits in der Vergangenheit hat sie viel mit Einspielungen gearbeitet. Sie greift gerne auf dieses Stilmittel zurück, weil es eine schnell einsetzbare Kulisse ist, die ohne Umbauten auskommt. »Es muss ein Flow werden«, sagte sie.

Stephan Haitz von Trickpix freut sich darauf, mit »neuen Mitteln die Handlung zu unterstützen«. Er ist für den düsteren Schwarzwald mit seiner Zwischenwelt zuständig, also die Geschichte in der Geschichte mit dem Holländermichel und dem Glasmännlein. Haitz hat nach einem Look gesucht, der der Stimmung entspricht. Gelandet ist er bei »eher gezeichneten« Sequenzen, die dann aber für eine fotorealistische Darstellung optimiert wurden. »Möglichst nah am originalen Schwarzwald« wollte er bleiben, weshalb die schwarz-weiße Kulisse etwas von einem Scherenschnitt hat. »Heimat und Schwarzwald spielen in der Geschichte ohnehin eine große Rolle«, betonte Stöhr.

Mit seinen Arbeiten, die manchmal nur ein paar Sekunden eingeblendet werden, versuchte er den Stil von Müller zu treffen. Grundlage war ein Szenen-Buch, in dem die einzelnen Aufzüge mit dem Drumherum gezeichnet waren. Dinge, die praktisch ganz schlecht darstellbar sind, zählen besonders dazu. Beispielweise pochende Herzen, die plötzlich explodieren. Solche Elemente wirken laut Müller wie »hineingetupft«. Insgesamt hat Haitz zehn Einspieler entwickelt, zwischen zwei Sekunden und 4,28 Minuten lang. Aber er tüftelt immer noch, beispielsweise an einer Schlange, die sich möglichst natürlich bewegen soll.

Zusammenwachsen

Wie die Projektionen auf der vier Mal vier Meter großen Leinwand oder gar der ganzen Bühne über zwölf Meter Länge wirken, wird vorab schon mal am Rechner getestet. Die neue Technik bietet da viele Möglichkeiten, die bei den Proben dann nützlich sind. Beispielsweise kann Müller vorab herausfinden, wo die Schauspieler stehen müssen, um die Projektion nicht zu stören – oder umgekehrt.

Kennengelernt hat Regisseurin Müller Produzent Haitz bei der Spinnerei-Initiative. Sie freut sich über die Bereicherung für das Theaterstück, in den nächsten Wochen müssen nun alle Elemente »zusammenwachsen«. Und bei der Premiere wird dann alles klappen. Das einzige, was Müller sich dann als Horrorszenarium vorstellen kann, ist ein technisches Versagen. »Wenn plötzlich der Rechner abstürzt« wäre das eine mittlere Katastrophe.

Hintergrund: Das kalte Herz ist eine Musiktheaterproduktion der Musikschule Offenburg/Ortenau. Gefördert wird das Projekt mit eigens angefertigten Kompositionen und selbst geschriebener Theaterfassung und Leitung von Annette Müller unter anderem von der St.-Andreas-Stiftung. Aufführungen sind vom 2. bis 5. Januar in der Reithalle.

Autor:

Bettina Kühne

 

 

 

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