Im Affenzahn um die Reithalle gedüst

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Die Wilden Hühner
„Kriegsrat “ zwischen den „wilden Hühnern“ und den „Pygmäen“ Foto: kunstschule Offenburg

Die Jugendtheatergruppe der Kunstschule spielt unter der Regie von Annette Müller „Fuchsalarm“ aus der Reihe der „Wilden Hühner“

Badische Zeitung vom 22. Dezember 2008

OFFENBURG. Ein wildes Stück mit einem wilden Titel wurde da vergangene Woche in und um die Reithalle geboten. Die Regisseurin Annette Müller hatte mit elf Kindern und Jugendlichen, drei Erwachsenen sowie drei echten Hühnern das Stück „Fuchsalarm“ nach dem gleichnamigen dritten Band der Buchreihe „Die wilden Hühner“ von Cornelia Funke inszeniert – spannend, und mit hohem Spaßfaktor.

Dabei war der Beginn eher ein bisschen müde. Ein Stockkampf sollten die Rivalität der Mädchenbande „Die wilden Hühner“ um Sprotte und der Jungsbande „Pygmäen“ darstellen. Da gab’s viel fernöstlich anmutendes Ritual mit gekreuzten Stöcken, die dann würdig-langsam emporgereckt werden. Das hat zum einen wenig mit den Pluster-Ritualen hiesiger Jugendlicher zu tun, auch war die schwülstige Klaviermusik dazu doch allzusehr pathetisch. Aber dies ist denn auch schon das einzige, was man bemängeln konnte an diesem spritzigen Theaterabend!

Das gesamte Coolness-Repertoire Jugendlicher wird durchgespielt

Kaum ist der Stockkampf vorbei, wird das Publikum von den Sitzen der Reithalle, wo man sich gerade niedergelassen hat, wieder aufgescheucht. Neben der Halle ist Oma Slättbergs Hühnerhof aufgebaut. Und Sprotte, Chefin der Wilden-Hühner-Bande erfährt dort, dass ihre Oma alle Hühner schlachten lassen will. Prompt gibt sie „Fuchsalarm“, worauf die Wilden Hühner – Selina Stamwitz als Sprotte, plus Ciarrai Conway, Sarah Lieser, Milena Kühne, und Isabel Achtern-bosch – sich mit ihren Erzfeinden von der Pygmäen-Bande verbünden, um das Federvieh zu entführen.

Die Pygmäen werden gespielt von Julius Windisch, Marwin Loehmann, Saskia Loehmann und Thibaud Schmidt. Nebst dem Hühnerhof ist auch das „Hühner“-Hauptquartier draußen aufgebaut, Straßenszenen spielen vor der Reithallenbühne, die Bühnenbilder für den Schulhof und für die Wohnung von Sprottes Mutter stehen im Foyer. Das Publikum sprintete also mit viel Vergnügen im Schweinsgalopp von Szene zu Szene. Und es war so wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel: Die Schauspieler waren immer schon da – vermutlich, weil sie im Affenzahn um die Reithalle düsten.

Die Szenen waren bestens inszeniert. Da treffen sich die Mädchen und Jungs nächtens zum Hühnerklau, als ein Nachbar vorbeigeht. Um nicht verdächtig zu erscheinen, spielt man „Liebespaar“ mit Umarmung und Knutschhaltung – um sich hinterher sofort wieder zu distanzieren. Derlei ist einfach witzig. Toll auch, wie bei der ersten Annährung der Banden die ganzen Coolness-Rituale durchgespielt werden, mit sichtlichem Vergnügen an der Selbstironie.

Für Ironie sorgen auch Nora und Daniel Müller, die als jüngere Kinder Lisa und Johann das Verhalten der „großen Jugendlichen“ witzig kommentieren. Elise Heckmann spielte am Dienstag die Oma Slättberg, barsch und kaltschnäuzig, als angehende Hühnermeuchlerin ein echter Volltreffer. Am Freitag hatten sie und Selina Stamwitz die Rollen getauscht. Als Erwachsene wirkten Angela und Stephanie Lieser sowie Thomas Sator mit. Die Hühner – die echten – fühlten sich auf dem Rasen hinter der Reithalle übrigens sichtlich wohl in ihrem Stall. Bleibt zu hoffen, dass es weitere Aufführungen geben wird.

Autor: Robert Ullmann

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