Am 2. Januar feiert „Das kalte Herz“

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Vor 18 Monaten startete die Arbeit an der Musikschulproduktion „Das kalte Herz“ nach der gleichnamigen Erzählung von Wilhelm Hauff. Derzeit laufen in der Reithalle die Schlussproben: Das Bühnenbild steht.

 

OFFENBURG. Am Vormittag probt dort das Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Rolf Schilli, ab Mittag ist die Licht-, Video- und Bühnentechnik dran, dann die Choreographie, dann die Schauspieler und ab dem frühen Abend sind die Gesamtproben. Premiere ist am 2. Januar.

Das kalte Herz

Annette Müller (Konzept, Bühnentext und Regie) und Gerhard Möhringer-Gross (Komposition) sind das kreative Herz der Produktion.Foto: Faruk Ünver

12 bis 14 Stunden sei sie derzeit täglich in der Reithalle, sagt Annette Müller. Sie hat den Bühnentext entworfen und inszeniert „Das kalte Herz“. Die Regisseurin ist bekannt und geschätzt für die Intensität ihrer Regiearbeiten. Auch „Das kalte Herz“ wartet mit überraschenden Ideen und Bildern auf, wie ein Probenbesuch zeigt. Da ist zum Beispiel das Bühnenbild. Bei schwachem Saallicht ist es eine graue Wand mit merkwürdig gezackten Mustern. Doch dann: Bühnenlicht und Verwandlung! Die Wand leuchtet in sattem Dunkelgrün. Die Linien werden zu bizarr geformten Bäumen. Einzelne Elemente sind herauslösbar und treten in den Waldszenen nach vorn: So stellt man „Schwarzwald“ dar. Der Entwurf stammt von Müller und Gordon Jäntsch. „Kiefer & Beck Ladeneinrichtungen haben es für uns gesägt“, erzählt Annette Müller. Den Kontakt besorgte der Offenburger Stadtrat Jess Haberer. Rechts sind zwei parallel gesetzte Kirchtürme zu erkennen. Die Dreifaltigkeitskirche? Ein Stück Offenburg auf der Bühne?

In einer Szene zieht die Hauptfigur Peter Munk als erfolgreicher „Saw & Wood“-Unternehmer in die Big City an der Kinzig ein. Die im Firmenlogo verwendeten Anglizismen ironisieren die heutigen Business-Gepflogenheiten.

Munk hat sich bekanntlich sein menschliches Herz durch den Waldgeist Holländer-Michel gegen ein kaltes und steinernes austauschen lassen. Prompt verwandelt er sich in eine Art Roboter in Sprache, Bewegung und Denken: Erfolgsorientiert, zielgerichtet. Die Idee und die Musik zu dieser Produktion stammt von Gerhard Möhringer-Gross. Auch er verbringt dieser Tage mehr Zeit in der Reithalle als anderswo, gibt am Klavier Einsätze, spielt Motive an. „Ab Mittwochabend kann ich mich zurücklehnen“, sagt er. Dann gibt es zum ersten Mal einen Gesamtdurchlauf mit Orchester – und Möhringer-Gross hört seine Komposition zum ersten Mal am Stück. Er zeigt zwei dicke großformatige Mappen: die Partitur. Anderthalb Jahre hat er daran gearbeitet. Allein die Instrumentierung für das 50-köpfige Orchester war aufwändig. Computergedruckte Noten stehen neben handschriftlichen. Es habe sich nicht alles in den PC eingeben lassen, erklärt der Komponist, Passagen „senza misura“ – in freien Rhythmen – habe das Gerät nicht angenommen. Die illustrieren zum Beispiel jene Szene, wo der Holländer-Michel all die schlagenden, warmen Herzen vorzeigt, die er im Wald versteckt hat. Möhringer-Gross: „Jedes Herz hat einen eigenen Rhythmus. Der beschleunigt sich individuell.“ Was Chaos sein könnte, entpuppt sich als hochdramatischer Effekt. Anderes ist wunderbar stimmungsvoll. Möhringer-Gross hat der „romantischen“ Figur der Erzählung, dem Mädchen Lisbeth, einen Eichendorf-Text verpasst und ihn ganz im Geist der Romantik vertont. „Es hat Spaß gemacht, einmal so etwas zu schreiben“, sagt er und lacht.

Schwierigkeiten habe es etliche zu überwinden gegeben. Ursprünglich hoffte man auf eine leere Industriehalle, wo man einen Monat lang am Stück proben wollte. Dann auf eine Halle auf dem Messegelände. „Alles zu teuer“, sagt Annette Müller. So wurde es denn die Reithalle. Doch mehr als fünf Tage für Proben sind dort nicht drin. Dann vier Tage Aufführung und Abbau. „Eine Inszenierung ist immer ein Tausend-Teile-Puzzle“, meint Annette Müller, „die hier ist ein 5000-Teile-Puzzle.“ Es sei anstrengend. „Aber es ist auch toll, weil wir hier Ideen umsetzen können. Das ist wunderbar.“

Mitwirkende und Termine

„Das kalte Herz“ Musik: Gerhard Möhringer-Gross, Text und Regie: Annette Müller. Eine Produktion der Musikschule Offenburg-Ortenau. Mit dem Jugendsinfonie-Orchester unter der Leitung von Rolf Schilli und Darstellern der Jungen Theaterakademie Offenburg und des Theaters im Gewölbe.

Premiere in der Reithalle ist Samstag, 2. Januar 2016, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag bis Dienstag, 3 bis 5. Januar, jeweils 20 Uhr. Tickets: Bürgerbüro Offenburg,  0781 – 82 20 00, oder Internetportal „Reservix“.

Das kalte Herz

BZ Foto2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Barbara Krehl als Glasmännlein und Mark Gert in der Rolle des herzlosen Peter Munk Foto: Faruk Ünver

 

Artikel Badische Zeitung 30.12.2015 Rob Ullmann

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