Premierenfieber bei den „Räubern“

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Die Räuber - Badische Zeitung
Ganze Schülergruppen sind damit beschäftigt, ein „lebendes“ Bühnenbild darzustellen. Foto: Musikschule

Schülerinnen und Schüler dreier Offenburger Schulen bringen Friedrich Schillers skandalträchtiges Jugendwerk auf die Bühne.

Badische Zeitung vom 14. Juli 2010

OFFENBURG (BZ). Schillers „Räuber“ befinden sich im Endspurt. Am Freitag, 16. Juli, hat das Projekt in der Reithalle Premiere, weitere Aufführungen folgen am Samstag und am Sonntag. Rund 100 Schüler der Astrid-Lindgren-Hauptschule, der Theodor-Heuss-Realschule und der Erich-Kästner-Realschule werden dabei auf der Bühne stehen, weitere sind davor und dahinter aktiv. Für die Proben und die Inszenierung ist die Theaterpädagogin Annette Müller verantwortlich, die 2007 mit Zöglingen der Eichendorff-Hauptschule Shakespeares „Romeo und Julia“ einstudierte.

„Das Konzept ist durchaus ähnlich“, erklärt Petra Lütte, fachliche Leiterin der Musikschule Offenburg. Wie vor drei Jahren beim Shakespeare-Projekt laufen auch bei den „Räubern“ die organisatorischen Fäden dort zusammen, auch dieses Mal steuert die Musikschule die Bühnenmusik bei, durch eine Rockband aus ihrem „Band-Lab“ sowie durch live gespielte Orchestermusik und klassisch gesungene Schubert-Lieder. Am Anfang hätten sie Schillers 200 Jahre altes Kunst-Deutsch als „schwülstige Sprache“ und als komisch empfunden, teils auch als unverständlich, erzählt Annette Müller.

Doch das Verständnis für die Sprache wie für die Figuren sei gewachsen. Was sie überrascht habe: „Meine Leute hatten viel Verständnis für Franz, den Schurken des Stücks. Sie finden, dass er vom Vater ungerecht behandelt worden war.“ Man erinnert sich: Karl, der ältere Bruder des von Schiller als hässlich charakterisierten Franz, wird vom Vater bevorzugt. Er soll studieren, führt jedoch ein Lotterleben. Doch er beschließt sich zu ändern und bittet den Vater brieflich um Verzeihung. Franz fängt den Brief ab und stellt seinen Bruder als Vergewaltiger und Mörder dar – was der Vater glaubt. Aus Frust und aus Robin-Hood-Idealismus schließt Karl sich einer Räuberbande an und wird ihr Anführer. Er will von den Reichen nehmen und den Armen geben. Doch die Grenzlinien sind vage, etliche der Räuber betreiben ihr Geschäft aus Spaß an Grausamkeit und Gewalt, das Unternehmen versinkt in Mord und Blut.

„Warum schafft Karl nicht den Weg zurück in die Normalität?“ Das sei eine der Fragen, die das Stück stellt, so Müller. „Wie entwickelt man bei aller Ungerechtigkeit in der Welt eine Vision für sein eigenes Leben?“

Die Schiller-Sprache wird mit der heutigen Jugendsprache gekreuzt

In der Inszenierung wird sich die Schiller-Sprache mit der heutigen Jugendsprache kreuzen, es wird Hörspiel-Sequenzen geben und ein lebendes Bühnenbild, dargestellt von einer Gruppe Schülern: Möbel, etwa ein Bett für eine Liebesszene, der Wald, der halb bedrohlich ist, halb schützend, ein dunkler Turm. Zugleich agiert diese Gruppe in den Action-Sequenzen, choreographiert Schlägereien oder Kampfszenen. „Die Darsteller kommen von drei Schulen, konnten kaum zusammen proben“, schildert Müller eine nicht unerhebliche Schwierigkeit. Doch in den Schlussproben sei zu sehen, wie rasant das alles nun zusammenfinde.

Silke Gross, seitens der Theodor-Heuss-Realschule in das Projekt eingebunden, ist überzeugt, dass dieses Projekt den Teilnehmern etwas Außergewöhnliches bietet. Spannend sei, dass die Schulen sich hier öffnen. „Das ist anders als ein Börsenplanspiel oder eine Schulfirma, wo alles intern bleibt. Die Schüler gehen raus, zeigen sich, bekommen dafür Beifall. Da bleibt etwas.“ Für die Schulen sei so ein Projekt mit seinen Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Disziplinen und seiner komplexen Organisation – die neben dem normalen Schulbetrieb zu bewältigen sei – eine große Herausforderung, die sich aber lohne.

Ähnlich sieht das Petra Lütte. Es sei nicht die Kernaufgabe ihrer Institution, Theaterprojekte zu organisieren. „Aber es gehört zu unserem Bildungsauftrag, möglichst vielen Jugendlichen eine Teilhabe am künstlerischen Agieren zu ermöglichen. Und genau das tun wir.“Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Andreasstiftung Offenburg, E-Werk Mittelbaden, Hochschule Offenburg, Kulturstiftung Offenburg, Jugendfond Ortenau, Oberschulamt Ortenau, Stadt Offenburg , Musikschule Offenburg/Ortenau und dem Fachbereich Kultur.

Friedrich Schiller: „Die Räuber“, Schauspiel. Dargestellt von Schülern der Astrid-Lindgren-Hauptschule, der Erich-Kästner-Realschule, der Theodor-Heuss-Realschule. Musik: Lehrkräfte und Schüler der Musikschule Offenburg-Ortenau. Inszenierung: Annette Müller. Premiere: Freitag, 16. Juli, 20 Uhr, Reithalle Offenburg. Weitere Aufführungen: Samstag, 17. Juli, 20 Uhr, Sonntag, 18. Juli, 19 Uhr. Vorverkauf: Bürgerbüro Offenburg 0781/822000 oder www. Ortenaukultur.de

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