Offenburger Theaterprojekt diskutiert die Revolution 4.0 auf der Bühne

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Innovatives Stück über die digitale Zukunft

Sie ziehen für „Work Replace 4.0“ an einem Strang (von links nach rechts): Felix Müller (Firma Visionsbox), Bernhard Schneider (St. Andreas Stiftung), Annette Müller (Theaterpädagogin), Walter Glunk (Volkshochschule), Jonathan Rieder (Videodesign), Heidrun Schlegel (Produzentin), Elias Gürtler (Sound), Rainer Herfurth (Gesellschaft Georg Dietrich Areal), Barbara Höfler (Regieassistenz), Edgar Common (Kulturbüro). Foto Susanne kerkovius
Sie ziehen für „Work Replace 4.0“ an einem Strang (von links nach rechts): Felix Müller (Firma Visionsbox), Bernhard Schneider (St. Andreas Stiftung), Annette Müller (Theaterpädagogin), Walter Glunk (Volkshochschule), Jonathan Rieder (Videodesign), Heidrun Schlegel (Produzentin), Elias Gürtler (Sound), Rainer Herfurth (Gesellschaft Georg Dietrich Areal), Barbara Höfler (Regieassistenz), Edgar Common (Kulturbüro). Foto Susanne kerkovius

Badische Zeitung vom 27. Februar 2019

Theatermacherin Annette Müller hat ein innovatives Theaterstück über digitale Gipfelstürmer geschrieben. Premiere ist am 19. Juli. Aber das Stück soll bis zu den Heimattagen 2022 weiterwachsen.

Das Digitale verändert die Welt. Was tun, wenn der Schreibcomputer besser formuliert als der Mensch? Auf welche Veränderungen müssen wir uns einstellen, welche Kompetenzen brauchen wir? Wie schützen wir unsere Daten? Was sind wir noch wert, wenn künstliche Intelligenz unsere Arbeit tut? „Work Replace 4.0“, ein innovatives Theaterprojekt der Jungen Theaterakademie Offenburg, sucht Antworten in der Kunst.

Theaterpädagogin Annette Müller, von der Konzept und Skript stammen und die auch Regie führt, drängte sich beim Nachdenken über diese Fragen die Metapher des Bergsteigens auf. So schildert sie bei der presseöffentlichen Vorstellung ihre Arbeit an dem Projekt. Es geht höher und höher, ringsum tun sich Abgründe auf, aber es gibt auch beglückende Ausblicke, neue Erfahrungen, Freiheitsgefühle. Entsprechend hat sie zur Pressekonferenz im Theaterprobenraum des Grimmelshausen-Gymnasiums eine witzige kleine Installation zusammengestellt mit einem Alpenblick in Öl, Kletterutensilien, Bergsteigerhelm. Felix Müller von der Firma Visionsbox aus Ohlsbach ist ins Projekt eingebunden und hat eine VR (Virtual Reality) -Brille mitgebracht, die einen 360 Grad-Rundumblick auf einen kletternden Bergsteiger ermöglicht – man sollte schwindelfrei sein! Seine Firma ist bei diesem Projekt – einmal auch mit besagter Brille – dabei, vor allem aber mit der Gesamtprogrammierung befasst, eine anspruchsvolle Aufgabe, denn das Stück ist komplett durchgetaktet, die Agierenden bekommen Anweisungen über ihre Smartphones, eine ziemliche Herausforderung an die Technik.

Das Konzept von Annette Müller sieht folgendermaßen aus: Es sind acht verschiedene Räume vorhanden, jeweils mit einem thematischen Schwerpunkt, durch die sich nacheinander Gruppen von jeweils zehn Zuschauern bewegen können. Es geht um künstliche Intelligenz, Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, neue Arbeitskonzepte, das bedingungslose Grundeinkommen als mögliche oder doch nicht angemessene Antwort auf die Digitalisierung, philosophische Gedanken zum Verhältnis Mensch und Maschine, Robotik, Daten und Sicherheit, Daten und Demokratie. Zu den verschiedenen Fragen gibt es vierminütige Statements und Kurzberichte von Experten aus der Region, eine digitale Nomadin etwa ist per Skype zugeschaltet, auch ein Kletterexperte vom Alpenverein ist dabei.

Die zwölf Schauspieler sind zwischen 15 und 31 Jahren alt, das Stück wird innerhalb von drei Jahren mehrmals aufgeführt und währenddessen permanent weiterentwickelt werden. Ziel ist es, letztlich bei den Heimattagen 2022 dabei zu sein. Die Stadt Offenburg richtet dieses Landesfest groß aus und feiert es zusammen mit dem Jubiläum 175 Jahre „Offenburger Forderungen“ nach demokratischen Grundrechten von 1847.

Das ambitionierte Theaterprojekt, für das ein Kostenrahmen von 40 000 Euro veranschlagt ist, sei ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht zu stemmen. Neben dem Fonds Soziokultur, dem E-Werk Mittelbaden, der Bürgerstiftung St. Andreas und den städtischen Institutionen VHS und Kulturbüro sei die Gesellschaft Georg Dietrich Areal ein wichtiger Partner. Auf ihrem großen Gelände Am Güterbahnhof 1 wird nämlich gespielt – ein idealer Veranstaltungsort, freuen sich Annette Müller und ihre Produktionsleiterin Heidrun Schlegel. Rainer Herfurth, Vertreter der Gesellschafter, betonte, wie wichtig es für Führungskräfte einer Firma sei, den Mitarbeitern die Angst vor Innovationen zu nehmen, und welche Möglichkeiten die künstlerische Herangehensweise an das Thema eröffnen könnten. Weitere Firmen und Institutionen sind eingeladen, sich zu beteiligen. Auch Firmengelände können durch eine Aufführung belebt werden. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Produktion werden noch gesucht. Ausgediente Smartphones Samsung 6 und 7 seien als Spenden hochwillkommen, ebenso wie Bergrucksäcke und Megaphone.

Kontakt: theaterproduktion@web.de oder Tel. 0176-20259725

Smartphone mitbringen!

Die Proben zu Work Replace 4.0 haben vor zwei Wochen begonnen. Zur Generalprobe am Donnerstag, 18. Juli, werden Lehrerinnen und Lehrer gesondert eingeladen. Premiere des Stücks ist dann am Freitag, 19. Juli, um 20 Uhr auf dem Georg Dietrich Areal an der B 3 weitere Aufführungen sind am 20., 21., 22. und 23. Juli, Dauer des Stückes 88 Minuten, pro Aufführung 70 Zuschauer, geeignet für Jugendliche ab 16, Erwachsene, Schulklassen, Smartphone mitbringen!