300 Hauptschüler proben für »Romeo und Julia«

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Ehrgeiziges Projekt der Eichendorffschule / Spartendenken überwinden

Jetzt wird es Ernst für »Romeo und Julia«: Die Proben für das Groß-Projekt an der Eichendorffschule haben begonnen. 300 Hauptschüler und 27 Lehrer engagieren sich dafür, dass die Aufführung im Juli 2007 ein Erfolg wird.

Offenburger Tageblatt vom 17. Oktober 2006

Offenburg. Mit einem nie da gewesenen Projekt soll »Spartendenken überwunden« werden: 300 Hauptschüler der Eichendorffschule engagieren sich dafür, dass im nächsten Jahr »Romeo und Julia« auf die Bühne in der Reithalle kommt.

Dabei schauspielern sie nicht nur, sondern sorgen auch für Plakate, Bühnenbild und Kostüme sowie die gesamte Produktion. Unterstützt werden sie von externen Kräften, aber auch von ihren 27 Lehrern. Diese arbeiten nicht nur in den neun Projektgruppen mit, sondern arbeiten den Stoff des Shakespeare-Dramas auch fächerübergreifend im Unterricht auf.

Dass es zunächst Bedenken gab, räumt der Schulleiter der Eichendorffschule, Bruno Kühne, ein. Doch dann überwog die Aussicht, »ein positives Erinnerungshighlight zu schaffen«. Das Projekt soll nämlich dazu dienen, die Persönlichkeit zu entwickeln und den Schülern Erfolg und Anerkennung zu bringen. Kühne hofft, »dass sie stolz sein können auf ihre Leistung, was viele unserer Hauptschüler so wenig erleben.« Jetzt stehen alle hinter dem Projekt, das Lehrerin Christel Krumhard »mit Herzblut und Liebe« für die Schule koordiniert.

Textbuch ist schon fertig

Drehpunkt ist Regisseurin Annette Müller. Die Spiel- und Theaterpädagogin entwickelte bereits für die Theaterklasse der Kunstschule einige Stücke und führte dort Regie. Jetzt hat sie ihren Eintritt in den Schuldienst verschoben, um sich dem Romeo-und-Julia-Projekt zu widmen. Ausgleich bietet dafür das Stipendium der Offenburger Kulturstiftung, das sie ab Januar 2007 erhält.

Müller hat das Textbuch bereits fertig, weil die Musik dazu komponiert werden muss. Dennoch sollen sich die kleinen Schauspieler einbringen: »Sie werden die Texte sicherlich beeinflussen.« Vorab verrät die Theaterfrau: »Jeder Schauspieler muss geben, was er kann – auch wenn man keine perfekte Leistung erwarten kann.« Aber die Bühnengestaltung ist so schlicht, dass alles an den Akteuren hängt: »Wenn sie nicht spielen, ist da nicht mehr viel!«

Dass es Höhen und Tiefen bei den Vorbereitungen bis zur Premiere am 20. Juli 2007 geben wird, prophezeit die Regisseurin. Aber genau das wird die Team- und Konfliktfähigkeit der Schüler schulen: »Es ist eine tolle Erfahrung, zu sehen, dass sich Durchhalten lohnt, Energie hineinzusetzen und
alles zu geben.«

Kultur-Chefin Susanne Asche verfolgt mit dem Schulprojekt das weitreichende Ziel, »kulturelle Angebote und Fähigkeiten allen zu unterbreiten«. Gleichzeitig könne die Hauptschule sich angstfrei auf den Weg machen, um auf vergnügliche Weise eine Identität zu finden.

Viele helfen mit

Dazu unterstützen viele Kooperationspartner das Projekt. Schüler des Oken-Gymnasiums werden die Texte im Programmheft ins Russische und Türkische übersetzen. Studenten der Hochschule dokumentieren die Leistungen der Schüler. »Auch Kunstschule und Musikschule bringen sich bei der Gestaltung von Kostümen beziehungsweise Musik mit ein«, erklärt Petra Lütte, musikalische Leiterin der Musikschule.

Weil das Projekt das Budget der Eichendorffschule sprengt, fördert die St.-Andreas-Stiftung das Vorhaben. Zudem spendet das E-Werk Mittelbaden zwei mal 10000 Euro.

von Bettina Kühne

 

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